Was wirklich im Fachkräftemangel fehlt: Der Blick auf den Menschen
Heute war einer dieser Tage, bei denen man abends im Auto sitzt und denkt: Genau dafür mache ich diesen Job.
Nicht nur, weil wir heute erfolgreich einen weiteren Servicetechniker für Hamburg gewinnen konnten. Sondern weil ich gemeinsam mit meinem Team wieder erlebt habe, was möglich ist, wenn Menschen Chancen bekommen – und Unternehmen ihre Türen wirklich öffnen.
Vor einigen Tagen lernte ich Mutwakil aus dem Sudan in einem Interview kennen. Er lebt erst seit rund einem Jahr in Deutschland. Physiklaborant, mechanisches Verständnis, neugierig, freundlich, wach im Kopf. Besonders beeindruckt hat mich, wie gut er bereits Deutsch spricht. Neben Englisch, Arabisch und Spanisch.
Da sitzt plötzlich ein junger Mann vor einem, der mehrere Sprachen spricht, technisch interessiert ist und voller Motivation steckt. Und gleichzeitig diskutieren wir in Deutschland täglich darüber, dass wir keine Fachkräfte finden. Da passt manches nicht zusammen.
Dieses Gefühl hatte ich schon einmal. Damals im Hamburger Hafen, als ich einen jungen Mann aus Kamerun für eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik begeistern konnte. Auch dort begann alles mit einer einfachen Frage: Was steckt wirklich in diesem Menschen?
Genau dieses Gefühl hatte ich auch bei Mutwakil: Dieser junge Mann kann mehr. Viel mehr.
Also entstand die Idee, ihn für eine Ausbildung im Maschinenbau zu begeistern – als Zerspanungsmechaniker.
Besonders beeindruckt hat mich heute die Unternehmerfamilie vor Ort. Keine Hochglanz-Präsentation. Keine sterile Arbeitgebermarke. Stattdessen echte Menschen, echte Maschinen und echte Produktion. Wir gingen gemeinsam durch die Hallen, sprachen über Technik, Perspektiven und Ausbildung. Die Möglichkeiten wurden sichtbar und greifbar.
Auf der Rückfahrt über die Landstraßen Richtung Wolfenbüttel hielten wir spontan an einem kleinen Dorfladen. Ein bisschen schnacken, ein bisschen Kulturaustausch.
Und dann sagte Mutwakil einen Satz, der mir hängen geblieben ist:
„Lars, ich brauche freie Horizonte zum Denken.“
Da musste ich lachen. Im Grunde ist er genauso ein Landei wie ich. Zwei Landeier, die sich gefunden haben. Einer aus dem Sudan. Einer aus Osterlinde. Verbunden über Ruhe, Landschaft und Technik.
Manchmal wird so viel über Fachkräftemangel geredet, dass vergessen wird, worum es eigentlich geht: Menschen sehen. Potenziale erkennen. Horizonte öffnen.
Und ja – ich bleibe dabei: Der Maschinenbau hat eine gewaltige Kraft, Menschen aus aller Herren Länder zu verbinden.



